Ballonkünstlerin Sina Greinert

Beim Festival 48 Stunden Wilhelmsburg (8.-10.6.) macht die Kulturorganisation artsy im Inselpark luftig von sich reden. Künstlerin Sina Greinert schafft für artsy zusammen mit fünfzehn Jugendlichen von KIZ e.V. poetische Ballonketten. Die Ballonskulpturen sind jedoch nicht nur einfach schön anzuschauen und dank Naturkautschuk vollständig biologisch abbaubar. Sie stehen mit ihren unterschiedlichen Farben für die 17 Ziele der UN-Agenda 2030. Mit diesen Nachhaltigkeitszielen will die Internationale Staatengemeinschaft die drängendsten aktuellen Probleme wie Armut, Ungleichheit, Umweltzerstörung und Klimawandel lösen.

„Wir identifizieren uns mit allen Themen der Agenda“, so die drei Initiatorinnen von artsy The Urban Art Lab, Annektarin Brüning, Kerstin Bante-Jarausch und Annette Mohr. „Als Großstadtpflanzen und mit dem Wissen, dass heute schon die Hälfte der Menschheit in Städten lebt, Tendenz steigend, liegt uns das Ziel nachhaltige Städte und Gemeinden besonders am Herzen. Hier entscheidet sich die Frage, wie wir in Zukunft zusammenleben werden und die Antwort wollen wir nicht allein den freien Kräften des Marktes von Angebot und Nachfrage überlassen.“ Die Vision der Kulturorganisation artsy ist ebenso klar wie ambitioniert: Die Stadtgesellschaft durch Kunstprojekte und die Teilhabe der Menschen näher zusammenzubringen, so die Attraktivität auch sozial schwacher Quartiere zu erhöhen und eine lebensbejahende Metropole zu schaffen.

Der Startschuss für das erste Urban Art Projekt von artsy fiel im Frühling mit farbenfrohen, riesigen Graffitis in St. Pauli. Schüler der Stadtteilschule am Hafen bemalten und besprayten die Fassade des Hauses der Familie. Angeleitet wurden sie von den Experten der Street Art School St. Pauli, sogar die Einbeziehung der Sprayer-Szene gelang. Nachbarn und Passanten sind begeistert von dem Street Art Kunstwerk im Lerchenstraßenkiez. „Ein großartiges Beispiel wie kulturelle Förderung die Attraktivität einer Metropole in jeder Hinsicht erhöht, für die künstlerisch Beteiligten, für die hier lebenden Menschen, für Besucher und in Konsequenz auch für Technologie und Infrastruktur. Wir wollen die sonst üblichen Prioritäten ändern: inklusiv und von innen nach außen, nicht umgekehrt“, beschreibt Projektleiterin Annektarin Brüning Arbeitsweise und Wirkung. „Wir von artsy möchten Vorbild sein und als Netzwerk für Künstler und Kulturschaffende, Interessierte und Engagierte in Hamburg fungieren. Damit es nicht bei einer guten Idee bleibt, sondern unsere Stadt tatsächlich besser für die Menschen wird.“

Mitmachen kann jeder. Bürger, Vereine, Schulen, Künstler und Kreative können eine Idee, ein Projekt oder einen Wunsch bei artsy abgeben. „Wir versuchen, alle eingereichten Projekte zu realisieren“, so Projektkuratorin Kerstin Bante-Jarausch. Fest geplant sind bereits zwei weitere Projekte, die Mittel aus dem Quartierfonds Mitte stehen bereit, doch weitere Unterstützer sind hochwillkommen. „Wir halten die Ausgaben so klein wie möglich, aber auch Farbe, Spray oder Luftballons kosten natürlich Geld.“ Ein schlüssiges Konzept für eine gute Sache und der Elan der drei Initiatorinnen werden sicher mit vielen weiteren Projekten ihren Teil dazu beitragen, Hamburg noch ein wenig attraktiver zu machen.